Geschichte der Lochkamerafotografie Home


Das Prinzip der Camera Obscura ist den Menschen von alters her bekannt. Bereits im 5. Jahrhundert v. Chr. werden die grundlegenden optischen Prinzipien in chinesischen Texten niedergeschrieben. Im 9. Jahrhundert A.D. wird über ein projiziertes Bild in einer verdunkelten Pagode berichtet.

Im westlichen Kulturkreis fand die Entdeckung der Bildprojektion durch ein Loch kaum später statt. Bereits Aristoteles beschrieb im 4. Jahrhundert v. Chr. Erscheinungen, die er allerdings nicht erklären konnte. Er stellte fest, daß Sonnenlicht, welches durch Flechtwerk hindurch schien, ein Bild der Öffnungen, durch die es gelangte, auf den Boden projizierte. Anläßlich einer Sonnenfinsternis entdeckte er, daß die winzigen Öffnungen im Blattwerk eines Baumes Abbilder der Sonne auf dem Boden erzeugten.

Bis zum Verständnis der Erscheinungen sollten noch viele Jahrhunderte vergehen. Ein erster Meilenstein auf dem langen Weg war die Entdeckung arabischer Gelehrter im 10. Jahrhundert, daß sich Licht geradlinig ausbreitet. Sie fanden dies durch Experimente mit der Projektion des Bildes dreier Kerzen durch ein kleines Loch heraus. Die erzeugten Abbilder ließen sich durch eine gedachte Gerade durch das Loch mit ihren Originalen verbinden.

In den folgenden Jahrhunderten wurden die bisher erkannten Abbildungsmöglichkeiten mit Hilfe eines Lochs vor allem von Astronomen zum Studium des Sonnenlichts und von Künstlern als Zeichenhilfe für Studien der Perspektive genutzt. Bekannte Namen wären hier Leonardo da Vinci oder Albrecht Dürer.
Da Vinci beschrieb als erster eine richtige Camera Obscura im eigentlichen Wortsinn: "Wenn die Fassade eines Gebäudes, oder ein Platz, oder eine Landschaft von der Sonne beleuchtet wird und man bringt auf der gegenüberliegenden Seite in der Wand einer nicht von der Sonne getroffenen Wohnung ein kleines Löchlein an, so werden alle erleuchteten Gegenstände ihr Bild durch diese Öffnung senden und werden umgekehrt erscheinen".
Nunmehr wurde das Prinzip der Camera Obscura in vielfältiger Weise verwendet. So brachte der italienische Mathematiker und Astronom Toscanelli 1475 einen bronzenen Ring mit einer kleinen Öffnung in einem Fenster der Kathedrale in Florenz an. An sonnigen Tagen wird ein Bild der Sonne auf den Boden der Kathedrale geworfen. Eine Mittagsmarke am Boden gibt die Möglichkeit zur Zeitbestimmung. Dieser Ring kann heute noch besichtigt werden.
Eine ähnliche Vorrichtung wurde 1580 von päpstlichen Astronomen genutzt, um Papst Gregor XIII. zu beweisen, daß die Frühjahrs-Tag-und-Nacht-Gleiche auf den 11. statt wie eigentlich korrekt auf den 21. März fiel. Dies führte zur berühmten gregorianischen Kalenderreform.

Im 16. Jahrhundert kamen zwei verschiedene Arten der Camera Obscura auf. Neben der bekannten - ein verdunkelter Raum mit einer kleinen Öffnung in der Wand -, die z.B. von Frisius zum Studium einer Sonnenfinsternis genutzt wurde, führte der deutsche Astronom Johannes Kepler, der auch den Ausdruck "Camera Obscura" (= "dunkler Raum") prägte, eine Abart ein, indem er das Loch durch eine Linse ersetzte. Diese Linse erzeugte ein helleres Bild, das allerdings nun nur noch auf eine bestimmte Entfernung fokussiert werden konnte. Kepler war es auch, der später als erster eine tragbare Camera Obscura benutzte.

Das 19. Jahrhundert brachte die Erfindung der begehbaren Camera Obscura als Unterhaltungsmittel für die Bevölkerung. Durch geschickte Drehmechanismen im Dach sowie durch Verwendung einer Meniskuslinse ist es in diesen Räumen möglich, ein relativ helles Rundumbild der Umgebung auf eine waagrechte Projektionsfläche zu werfen. Das Bild kann so von vielen Menschen gleichzeitig betrachtet werden. Solche begehbaren Cameras Obscuras gibt es auch heute noch. Eine wird zum Beispiel vom Schanzer Photoclub im benachbarten Ingolstadt betrieben.

Mit der Erfindung der Fotografie dauerte es auch nicht lange, bis die ersten Versuche unternommen wurden, das in der Camera Obscura projezierte Bild auf lichtempfindlichen Materialien festzuhalten. Damit war die Lochkamera geboren.


Zuletzt aktualisiert am: 16.08.2003